27.03.2020

#9 Wattebausch-Spiel gegen den Corona-Koller

Liebe Leser dieses Blogs,

in diesen Tagen befinden wir uns alle im Corona-Ausnahmezustand:

Auf der einen Seite wird alles langsamer draußen
Auf der anderen Seite wird alles schneller drinnen

Als Ärztin gehöre ich zu den Berufsgruppen, die zwar reduziert auf das Wichtigste - aber eben doch weiterarbeiten. Auf dem Weg in die Praxis stelle ich zur Zeit fest, dass die Welt auf den Straßen und mittlerweile auch im Supermarkt viel ruhiger geworden ist. Ich habe mittlerweile umgestellt auf Video-Sprechstunde und bekomme daher auch Einblicke, was in den Wohnungen so geboten ist: Working-Mom und Working-Dad versuchen im Home Office einen halbwegs normalen Arbeitstag herzuzaubern, während die Kinder versuchen, genau das zu verhindern. Ein wenig erinnert das an die berühmte Quadratur des Kreises und das ganze Vorhaben geht eben nur genau SO gut, wie es halt gut geht. Überall lauert Konfliktpotenzial, der Stresslevel steigt.

Unser Tipp: Bauen Sie in den Tagesplan mehrmals täglich ein paar Dinge ein, die den Stresslevel senken. Das Wichtigste dabei ist, verstanden zu haben, woher dieser gestresste – sympathikotone – Zustand überhaupt kommt und wer oder was sein Gegenpart ist. Denn nur, wenn wir den Gegenspieler des Stresses kennen – den Parasympathikus - und auch wissen, wie wir ihn aktivieren können, wird wieder mehr Ruhe ins System kommen. Auch unser Immunsystem dankt es uns – und ein funktionierendes Immunsystem brauchen wir gerade in dieser Zeit der Corona-Krise besonders dringend.

Unser Parasympathikus ist der Gegenpart des Stresses – aktivieren Sie ihn!
Ganz besonders gut gelingt das durch die stressreduzierende Atmung („Das Parasympathikus Prinzip“, Seite 116): Zählen Sie beim Atmen mit: Eins-zwei-drei EINATMEN – vier-fünf-sechs-sieben-acht-neun AUSATMEN – zehn PAUSE und wieder von vorne. Je langsamer Sie das machen, desto größer ist der Effekt auf Ihre Stressachse. Es kommt auch darauf an, möglichst tief AUSzuatmen und am Ende des AUSatmens eine kurze Pause einzulegen. Schon nach einigen Atemzügen werden Sie den Effekt auf Ihren Zustand bemerken – eventuell schon nach der ersten dieser Atem-Exkursionen. Je öfter Sie das über den Tag verteilt wiederholen, desto schneller und besser regenerieren Sie. Jeweils zehn bis 15 solcher Atemzüge – perfekt.


Auch Ihre Kinder haben einen Parasympathikus.
Man kann es kaum glauben – aber auch der Parasympathikus Ihrer Kinder lässt sich aktivieren und zwar auf ganz ähnliche Art und Weise. Welche Ideen wir für die Kinder vorschlagen, finden Sie auf Seite 147 in unserem Buch. Ein solches Beispiel ist das Wattebausch-Spiel. Working-Mom oder Working-Dad sitzen auf der einen Seite des Tisches, das Kind auf der anderen. Jeder markiert ein Tor am Tisch, zum Beispiel mit Klebestreifen und dann wird der Wattebausch ins Tor vom andern gepustet. Wenn das Spiel einen Effekt auf die parasympathische Aktivität haben und alle Mitspieler beruhigen soll, dann ist es wichtig, dass Sie sich abwechselnd den Wattebausch vornehmen und eben genau kein wildes Spiel draus machen. Lieber mit einem oder zwei langgezogenen Pustern den Wattebausch bewegen als mit kurzen schnellen – das wäre der falsche Effekt. Wer kann am längsten AUS-Pusten und bringt damit dem Wattebausch an einem Stück ganz weit zum Tor des anderen?

Im Buch gibt es noch viele weitere anregende Tipps für Sie und auch für Ihr Kind.

Viel Spaß dabei und halten Sie diese turbulente Zeit gut durch.

Herzliche Grüße, Ihre Dr. Ursula Eder

Dr. med. Ursula Eder